Smart City – Die Zukunft unserer Städte?

Smart Homes haben sich in den letzten Jahren bereits etabliert und können unseren Alltag sehr vereinfachen – egal ob bei uns privat oder im (Home) Office. Tipps zur Erleichterung des Büroalltags zu Hause finden Sie in einem anderen unserer Beiträge. Auch Autos und andere Verkehrsmittel sind teilweise bereits im Einsatz, um Menschen autonom von A nach B zu befördern. All dies und noch mehr sind Bausteine für eine „Smart City“.

Bild Smart City
Quelle: Bild von Tumisu auf Pixabay

Definition


Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, was genau eine Smart City sein soll?

Kurz zusammengefasst sind Smart Cities Städte, welche ein Konzept entwickelt haben, um durch Technologieeinsatz unterschiedliche Probleme der Stadtentwicklung zu lösen. „Smart Cities wollen im Gegensatz zur ‚normalen‘ Stadt mittels Digitalisierung effizienter, nachhaltiger und fortschrittlicher sein“, wie es die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg beschreibt. Durch innovative informations- und datenbasierte Instrumente soll die Lebensqualität und die Ressourceneffizienz von Städten nachhaltig erhöht werden. Dies betrifft beispielsweise die Infrastruktur, Gebäude, Mobilität, Dienstleistungen oder die Sicherheit. Welche expliziten Maßnahmen in den Städten getroffen werden, hängt jeweils von den Städten selbst ab, da jede Stadt andere Bedürfnisse und Voraussetzung mitbringt, was eine einheitliche Definition von Smart City sehr schwierig macht.


Die einzelnen Dimensionen einer Smart City


Nun stellt sich die Frage, in welchen Lebensbereichen eine Smart City das Leben erleichtern und die Lebensqualität erhöhen kann. Diese kann man in folgende Dimensionen aufteilen:

  • Smart Economy

  • Smart Living

  • Smart Mobility

  • Smart Environment

  • Smart Governance

  • Smart People

Smart Economy


Dieser Bereich hat zum Ziel, das große Innovationspotential von Städten für die Bewältigung wirtschaftlicher Herausforderungen und Veränderungen zu nutzen. Dabei sollen Daten- und Informationspotentiale der Städte genutzt werden, um bestehende Branchen zu stärken oder die Entwicklung von neuen Branchen zu fördern. Konkret heißt das beispielsweise auch, das Problem der sogenannten „letzten Meile“ effektiv zu lösen, welche als zentrale Herausforderung für urbane Logistik gesehen wird. Dieses Problem beschreibt die Herausforderung, dem immer stärker werdenden Online-Handel und die damit einhergehende verstärkte Paketflut effizient für Händler und Kunde zu lösen. Dadurch haben sich zwei Richtungen herauskristallisiert: Selbstabholung durch den Kunden oder intelligente Zustellung der Ware, beispielsweise über individuelle Paketkästen für zuhause, wie es das Start-Up Mypaketkasten anbietet.


Smart Living


Wenn von Smart Living die Rede ist, ist das Smart Home mit all seinen Vorteilen gemeint – also die Vernetzung des Zuhauses. Wie das Smart Home beispielsweise auch Senioren im Alltag unterstützen kann und somit für mehr Komfort sorgen lesen Sie hier. Auch die Sicherheit des eigenen Zuhauses kann durch ein Smart Home erhöht werden, wie Sie in unserem Beitrag „Smart Home = Safe Home“ nachlesen können.


Smart Mobility


Smart Mobility bezieht sich auf intelligente Lösungen für effiziente und ressourcenschonende Transportsysteme. Dieser Bereich greift sehr stark mit der Smart Economy ineinander, da Logistik nicht nur mit Wirtschaft, sondern auch mit Mobilität zu tun hat. Bei Smart Mobility kann man also sagen, dass das große Ganze gesehen wird und der Bereich Smart Economy einen Baustein der Smart Mobility darstellt. Diese konzentriert sich beispielsweise auf die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) -unterstützten Lösung zur Senkung der Umwelt- und Lärmbelastung oder auf die Weiterentwicklung etablierter Transportkonzepte (autonom und emissionsfrei). Ebenso soll die Optimierung des Verkehrsflusses zum Beispiel durch Echtzeit-Verkehrsleitsysteme erreicht werden. Zudem können alternative Mobilitäts- und Stadtkonzepte (z.B. die Stadt der kurzen Wege, im Idealfall ohne motorisierten Verkehr) Teil der Smart Mobility Strategie sein.


Smart Environment


Die Dimension Smart Environment lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Das Ziel der Smart City ist, einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Dies bedeutet intelligente Lösungen für einen geringen Verbrauch von Energie und Ressourcen zu finden. Darunter fallen auch eine bessere Kontrolle und Steuerung der Umweltbedingungen beispielsweise durch die permanente Kontrolle der Luft- und Wasserqualität. Dies erfordert und ermöglicht wiederum eine stärkere Einbindung von erneuerbaren Energien. Hierbei ermöglichen es IKT-basierte Anwendungen und Infrastrukturen das Energie-Angebot sowie die -Nachfrage effizienter aufeinander abzustimmen.


Smart Governance

Graphik über Smart Governance
Quelle: Smart City Charta (2021): S. 12.

Ein Bereich, welcher in Deutschland noch nicht wirklich angekommen ist, wird als Smart Governance bezeichnet: eine Verbesserung der Prozesse und Interaktionen innerhalb der Verwaltung und zwischen Verwaltung und Bürgern. So könnten zum Beispiel digitale Bürgerkonten entstehen, also eine personenspezifische individualisierbare Plattform, damit jeder Bürger Zugriff auf seine Stammdaten, Dokumente und Bescheide hat, und diese auch digital mit der Behörde austauschen kann. Weitere Beispiele könnten die Möglichkeit des Mitplanens und der Mitgestaltung von Planungsinhalten sein, welche durch digitale Plattformen ermöglicht werden. Auch möglich ist der der direkte Wissensaustausch zwischen Experten und Bürgern sowie eine verbesserte und bedarfsgerechte Angebotsplanung und ein Echtzeit-Monitoring von Anliegen seitens der Bürger.


Smart People


Die Basis und somit auch Voraussetzung oder Katalysator für alle anderen Bereiche sind Smart People. Nur durch digital gebildete Bürger und Unternehmer können die beschriebenen Einzelkonzepte genutzt beziehungsweise erst entwickelt werden. Das Ziel hier muss sein, die digitalen Kompetenzen der Bürger so zu entwickeln, dass sie AKTIV und KREATIV an der Gestaltung und Innovation von Stadt, Wirtschaft und Umwelt mitwirken können!


Deutschland und smarte Städte


Nach der Beschreibung der Konzeption einer Smart City stellt sich nun auch die Frage, wie es um die Konzeption einer smarten Stadt in Deutschland steht.

Graphik Smart Cities im Vergleich
Quelle: mart-cities.eu

In der Graphik rechts sieht man, wie sich Deutschland im Vergleich zu Stockholm, Nordeuropa und Europa schlägt. Man könnte es so beschreiben: Es besteht noch Luft nach oben, aber im Gegensatz zu Gesamt-Europa haben wir schon einen kleinen Vorsprung!

Ein Beispiel einer ambitionierten deutschen Stadt, welche bis 2030 eine Smart City werden will, ist Arnsberg in Nordrhein-Westfalen. Hier wird versucht, die oben genannten Bereiche abzudecken und Arnsberg mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger zu einer smarten Stadt aufzubauen. So wurde eine Website eingerichtet, auf welcher die Einwohner an Abstimmungen teilnehmen können, um das heutige Arnsberg zu bewerten, sowie die Vorstellungen der zukünftigen Stadt darzulegen. Zudem werden Projektideen zentral gesammelt und in die Strategie Smart City Arnsberg 2030 eingebunden.


Smart City in der Politik


Auch die deutsche Bundesregierung hat sich bereits mit dem Thema Smart City beschäftigt und hat Anfang 2021 eine Smart City Charta vorgestellt, in welcher das Thema behandelt wird, die digitale Transformation in den Kommunen nachhaltig zu gestalten. Die Charta soll normative Leitlinien und konkrete Handlungsempfehlungen geben, um die Umsetzung des Konzepts der smarten Stadt voranzutreiben. Diese soll nach der digitalen Transformation lebenswert und liebenswert, vielfältig und offen, partizipativ und inklusiv, klimaneutral und ressourceneffizient, aufgeschlossen und innovativ, sowie sicher und raumgebend sein, um nur einige Adjektive zu nennen. Zudem wurde die „Dialogplattform Smart Cities“ ins Leben gerufen. Hier können sich Forschende auch international austauschen und in Workshops Leitlinien sowie Handlungsempfehlungen erarbeiten.


Alles nur Zukunftsmusik?


Im Moment klingt eine Smart City für viele vielleicht noch nach ferner Zukunft, doch der Wandel hin zu einer vernetzten, intelligenten Stadt ist bereits in vollem Gange und wird uns in den nächsten Jahren immer mehr beschäftigen. Bereits heute wurden in den einzelnen Bereichen Fortschritte gemacht, welche in Pilotprojekten wie Arnsberg getestet werden. Doch wie bereits erwähnt steht und fällt das Konzept Smart City mit uns Bürgern: Sind wir bereit uns auf neue Innovationen in diesem spannenden Zukunftsprojekt einzulassen oder halten wir stur an alten und vermeintlich bewährten Methoden fest?


Quellen:

Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat (2021): Smart City Charta, verfügbar unter: https://www.smart-city-dialog.de/wp-content/uploads/2021/04/2021_Smart-City-Charta.pdf


Bundeszentrale für politische Bildung (2021): Smart City – die Stadt der Zukunft?. Technologie in der nachhaltigen Stadtentwicklung, verfügbar unter: https://www.lpb-bw.de/smart-city#c56712


Steinbrecher, J. et al. (2018): Viele bunte Smarties?! Die Smart City als Lösung kommunaler Herausforderungen?. KfW Research (Nr. 204), verfügbar unter: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2018/Fokus-Nr.-204-April-2018-Smart-Cities.pdf


Vogel, H.-J. et al. (2018): Smart City Digitalisierung in Stadt und Land. Herausforderungen und Handlungsfelder. Springer Gabler, Wiesbaden, verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/978-3-658-19046-0


https://www.arnsberg.de/smart-city/index.php


https://beteiligung.arnsberg.de/projects/smart-city-arnsberg-2030-nachhaltige-stadt-der-z-2/


https://pixabay.com/de/photos/smart-stadt-kommunikation-netzwerk-4168483/

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